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Ausflug in eine Geisterstadt – Ausflug

Besuch in der Geisterstadt Immerath

Uhhhhh. Uhhhhh. Uhhhhh. Das wird ein ganz gruseliger Artikel. Aber ich fange wie immer, am besten am Anfang an.

Wir waren gestern bei Freunden. Kennen gelernt haben wir uns im Krankenhaus. Meine kleine Freundin wurde ca 1,5 Monate nach mir geboren. Ich lag also schon etwas länger auf meiner Station und meine Freundin kam neu dazu. Unsere Eltern haben sich von Anfang an gut verstanden. Meine Freundin ist auch sehr krank. Allerdings ganz anders als ich. Sie lag ein paar Wochen mir mir im Zimmer und durfte dann nach Hause. Meine Mama war ganz traurig. Man findet ja nicht immer Menschen, mit denen man sich so gut versteht.

Wie ihr vielleicht wisst, musste ich mein erstes Weihnachtsfest im Krankenhaus verbringen. Mir hat das zwar nicht sehr viel ausgemacht aber meine Mama war deswegen sehr traurig. Tja, und wie der Zufall es so will kamen im Dezember meine Freundin und ihre Eltern wieder zu uns. Nicht geplant. Und meiner Freundin ging es auch gar nicht gut. Wir waren dieses Mal zwar in verschiedenen Zimmern aber trotzdem waren unsere Eltern froh sich wieder zu sehen und in dieser schwierigen Zeit nicht alleine sein zu müssen. Von da an war es wirklich eine Freundschaft. Telefonnummern wurden getauscht und seitdem besuchen wir uns gegenseitig.
Meine Eltern sagen es ist eine schöne Freundschaft. Denn wenn auch meine Freundin und ich doch sehr unterschiedliche Krankheiten haben, so sind die Ängste und Sorgen doch sehr ähnlich. Man versteht sich einfach, kann zusammen traurig sein aber sich auch zusammen freuen.

Unsere Freunde wohnen in Erkelenz. Das ist eine ganz besondere Gegend. Dort gibt es nämlich Geisterdörfer. Wir waren bei unserem letzen Besuch schon in einem gewesen. Das fanden wir alle so spanend, dass wir dieses Mal noch einmal hin wollten. Hier bei uns gibt es so etwas ja nicht. Und da das Wetter mitgespielt hat, waren wir gestern auch wieder in einem.

In diesem Geisterdorf wohnen keine bzw. nur sehr wenige Menschen. Es ist nicht so, dass dort keiner mehr leben möchte, sondern so, dass die Menschen von dort weg ziehen mussten. Sie hatten keine Wahl.

Jetzt fragt ihr euch sicher warum das so ist. Tja, wegen der Braunkohleindustrie. Die wollen da ein ganz großes Loch graben um an die Kohle zu kommen. Dafür stehen die Häuser im Weg. Die Kohle befindet sich ganz weit unter der Erde. Unter den Häusern. Die Menschen werden zwar fianziell entschädigt aber was ist das schon?! Meine Mama sagt immer, dass sie gerne in unserem Haus lebt. Denn das haben ihre Großeltern gebaut. Mein Opa ist darin aufgewachsen, meine Mama in dem Haus daneben und jetzt wachsen meine Schwester und ich hier auf.

Meine Mama mag den Gedanken, dass wir in dem gleichen Garten spielen, in dem sie und auch mein Opa schon gespielt haben. Viele, viele Erinnerungen hängen an dem Haus und an dem Grundstück. Auch an der Gegend drum herum. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass das alles weg kommen soll, dann kommen mir fast die Tränen. All diese Erinnerungen sollen vernichtet werden?! Jetzt sind in unserem Haus „nur“ 4 Generationen groß geworden. In diesen Dörfern gibt es alte Gutshäuser, die seit Jahrunderten im Familienbesitz sind. Wie viele Erinnerungen, wie viel Arbeit und wie viel Leben dort einfach dem Erdboden gleich gemacht wird.

Gutshof Immerath

Gutshof Immerath

Dies ist z.B. so ein alter Gutshof. Er wird noch heute gepflegt obwohl schon sehr lange keiner mehr dort wohnt. Und in ein paar Jahren, wird an dieser Stelle nur noch ein großes Loch sein.

Oder diese wunderschöne Kirche. Bald nicht mehr da. Entweiht ist sie schon. Wie viele Menschen dort wohl geheiratet haben, Taufen gefeiert haben oder aber auch Abschied von ihren liebsten genommen haben. Und bald gibt es diese Kirche nicht mehr. Und irgendwann wird sich auch kaum noch einer an sie erinnern. Ich finde das schon irgendwie traurig.

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Krankenhaus Immerath

Das war früher ein Krankenhaus. Ein Ort an dem immer Trubel war. Es war immer was los. Menschen gingen ein und aus. Heute ist es ziemlich trostlos. Keine Menschenseele mehr zu sehen. Das Gebäude verottet vor sich hin.

Ganz am Ende des Krankenhaus war eine Tür des Gebäudes offen. Und ich darf hier an dieser Stelle nicht viel dazu sagen. Nur so viel:

„Wir sind alt genug es besser zu wissen aber jung genug es trotzdem zu tun“

Ein Schelm wer böses dabei denkt 😉

Wir kamen noch an vielen Gebäuden vorbei. Unter anderem an einem Gewächshaus, einem alten Frisör (der eigentlich ziemlich modern aussieht) und ihr dürft gerne mal raten was ihr auf dem letzten Bild sehen könnt.

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Krehaartiv Immerath

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Was? Ihr könnt außer Gestrüpp nichts erkennen? Da sieht man, wie schnell Mutter Natur sich ihr Gebiet zurück erobert. Es sind viele kleine Gewächshäuser, die aneinander stehen. Vielleicht erkennt ihr es auf diesem Bild etwas besser?!

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Diese Stadt löste viele Gefühle in uns aus. Neugierde, Interesse, Unbehagen, Angst, Traurigkeit und Bedrückung.
All diese armen Menschen, die ihr geliebstes Zuhause zurück lassen mussten. Natürlich ist es nicht nur schlecht. Durch den Braunkohleabbau haben sehr viele Menschen in diesem Gebiet einen Job. Und durch all die Häuser die an einem anderen Ort neu gebaut werden, bleibt die Wirtschaft dort auch in Schwung, aber es hinterlässt doch einen faden Beigeschmack.

Nachdem wir in der Geisterstadt fertig waren, sind wir dann zu dem großen Loch gefahren. Dort gibt es eine Aussichtsplattform. Das war auch wieder total spannend. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie riesig dieses Loch ist und was dort für riesige Bagger arbeiten. Das ist schon sehr Beeindruckend.

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Wir waren auch auf der Plattform. Naja, Mama hatte schon große Angst. Das war eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Aber für die Aussicht hat es sich gelohnt.

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Danach waren wir dann noch bei unseren Freunden echt lecker essen und hatten noch eine ganz tolle Zeit. Die leider mal wieder viel zu kurz war. Aber wir sehen uns ja bald wieder und dann zeigen wir euch unsere Heimat.

Vielen Dank für einen unvergesslichen Tag!!!

Euer Elai

4 Kommentare

  1. Oma sagt

    und ihr habt alle viel gelernt über den Tagebau. Ich erinnere nur an den Satz deiner Schwester beim heutigen Frühstück:“ Opa, das Loch ist so hoch, da passen fünf Häuser übereinander rein.“ Danke an eure Freunde die diesen Besuch so unterhaltsam und lehrreich vorbereitet haben.

    • Meine Mama sagt

      Hallo Oma,

      ja, vielen Dank an unsere Freunde. Auch für das Essen. Es war mal wieder super lecker. Und es macht so viel Spaß mit euch zu reden. Leider ist die Zeit am Ende doch immer zu kapp 🙂
      Vielleicht müssen wir ja auch mit dem Opa und dir noch einmal da hin. Dann kann unsere Tochter eine Führung für euch machen. Sie ist nämlich jetzt ein Profi auf diesem Gebiet 🙂

  2. Lieber Elai,
    solche Bilder kenne ich nur zu gut. Meine Großeltern wohnen in Brandenburg und dort wird auch Braunkohle abgebaut.
    In den Ferien habe ich oft solche Geisterstädte mit meinem Vater besucht. In den Häusern lagen noch viele persönliche Gegenstände und ich habe mir vorgestellt, wie die Familie vorher gelebt hat. Das war total spannend.
    Bei meinen Großeltern entsteht jetzt ein riesiger See und die ersten Hotels wurden gebaut. Eine aufregende Vorstellung, dass wir im Tagebau ( jetzt auf dem Boden des Sees) mal gelaufen sind.
    Mir tun die Leute leid, die alles aufgeben mussten. Ich hänge so sehr an unserem Haus.
    Liebste Grüße an Dich
    Deine Stine

    • Meine Mama sagt

      Hallo Stine,
      ja uns tun die Leute auch sehr leid. All diese vielen alten und wunderschönen Gutshäuser. Da wird so viel Geschichte zerstört.
      Wie gesagt, durch den Braunkohleabbau gibt es nicht nur Nachteile aber wenn ich mir vorstelle, dass wir unser Haus und unser Dorf verlassen müssten… Das wäre sehr schwer.
      Für uns war es einfach total spannend, weil es hier bei uns so etwas nicht gibt. Wir haben hier zwar einen Steinbruch aber dieser schränkt uns in unserem Leben nicht ein. Ganz im Gegenteil.
      Liebe Grüße
      Elai

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