Krankheit

Der Notfallkanülenwechsel

Trachealkanüle Tracoe

Warum ich nicht lange Zuhause bleibe und sogar Bomben einen festen Platz bei uns haben.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte ich Schwester Nina* bei mir zur Nachtschicht eingeteilt. Auf Station wird sie immer Nursey genannt. Dies kommt aus dem Englischen und bedeutet „Krankenschwester“. Wie einfallsreich 🙂

Der Tag war bisher ganz gut verlaufen, ohne besondere Vorkommnisse.
Meine Schwester war bereits schon den 4. Tag nicht im Kindergarten, denn sie quälte sich mit einer Erkältung. Sie hat es schon ganz schön schlimm erwischt.

Anscheinend ist es bei mir aber auch wie mit den anderen Familienmitgliedern. Wenn meine Schwester krank ist, dann steckt sie uns ALLE früher oder später an. Es trifft meistens den Opa zuerst, der noch keine Krankheit von ihr ausgelassen hat.

Dieses Mal war ich der Erste.

Also habe auch ich mir den Husten meiner großen Schwester eingefangen. Und der quält mich. Ganz abgesehen von meinem Hustenreiz ist das Sekret zähflüssiger als normal, somit ist es schwieriger für mich es hochzuhusten und los zu werden.

Nina* ist nun bereits seit 4 Stunden bei mir, hat mit mir Inhaliert und mich abgesaugt…. als sich dann zäher, trockener Schleim direkt vor die Kanüle gesetzt hat.
Anspülen, Bebeuteln, tieferes Absaugen, größere Katheter, nichts half dabei dieses Zeug dort weg zubekommen.

Nina* flitze über den Flur, riss die Schlafzimmertür von Mama & Papa auf, hier wird normalerweise nur angeklopft und rief, dass wir schnell einen Trachealkanülenwechsel machen müssen.

Mama springt wie der Springteufel aus ihrem Bett, schnappt sich eine Hose und kommt im Tiefflug in mein Zimmer gehechtet.

Meine weit aufgerissenen Augen signalisieren Atemnot und Erstickungsangst.

Nina* rasselt Punkt für Punkt runter wie der aktuelle Stand ist, was sie bereits versucht hat und dass sie nun einen Kanülenwechsel durchführen will.

Aufgrund des bisher noch fehlenden Pflegebettes hat man meinen Wickeltisch zur Nahkampfzone erklärt.

Vorratsschrank Tracheostomapflege

Ehemals Kleiderschrank – nun Vorratsschrank

Die Türen meines ehemaligen Kleiderschranks, nun zu einem Versorgungsschrank umfunktioniert, wurden von Mama hektisch aber klar bei Verstand aufgerissen. Eine Tracoe Trachealkanüle im Durchmesser 3,5 mm, 40 mm lang, Stomaunterlagen, sterile Reinigungsstücher sowie ein Bändchen zum Fixieren der neuen Kanüle hat sie in Windeseile zusammen gesucht, aus den sterilen Verpackungen gerissen und in der Nahkampfzone bereitgelegt.

Die verstopfte Kanüle muss nun schnell raus aus meinem Hals, dazu durchtrennt Mama das Halteband mit einem Skalpell und Schwester Katrin zieht die Kanüle heraus.
Erst ein Stück gerade aus und dann mit einer rollierenden Handbewegung zu meinem Gesicht hin, so schob Mama mir die neue Kanüle in die Luftröhre.
Mama hat dies bereits vorher schon einige Male getan, denn es war für Mama und Papa im Krankenhaus Pflicht dies zu üben.  Also: Business as usual.

Nachdem die neue Kanüle am richtigen Platz saß und fixiert wurde, holte Mama die Bombe aus der schwarzen schmalen Tasche. „Die Bombe?“ fragt ihr euch bestimmt. Ja die Bombe! Die Sauerstoffbombe! So etwas kennt ihr vielleicht von eurem SodaMaxx zuhause. Das ist eine Gasflasche, gefüllt mit ca. 6 Liter reinem Sauerstoff (~ 100%).

Abgesichert über ein manuell verstellbares Druck(Flow)regelventil lässt Mama mir einen Sauerstoffflow von 1 Liter/h über einen an meine Feuchte Nase angeschlossenen, dünnen, klaren Schlauch zukommen. So kann ich erst einmal durchatmen und mich wieder regenerieren.

Die Lage stabilisierte sich und so entschieden wir uns keinen RTW zu rufen und die restliche Nacht abzuwarten.

Gegen 06:15 Uhr, ich bin gerade wieder wachgeworden, dreht sich mir der Magen rum und ich muss spucken. Zum Glück wollte Nursey mich just in diesem Moment auf den Arm nehmen, so dass sie mich auf den Bauch drehte und ich alles rauslassen konnte ohne mich daran zu verschlucken. Denn Verschlucken könnte eine Aspiration bedeuten und dies wiederum ist dann die alt bekannte Lungenentzündung.

Nina* sagte dann zu Mama dass sie denkt es wäre jetzt doch mal an der Zeit ins Krankenhaus zu fahren. Da ich aber einen nicht sehr stabilen Eindruck gemacht habe, haben wir den RTW gerufen. Dieser fuhr mich mit Blaulicht und Martinshorn in die Kinderklinik Amsterdamer Straße nach Köln.

Und passieren kann es JEDERZEIT wieder.

Erfreut euch an eurer Gesundheit und bleibt bloß weiterhin alle gesund und munter!

Herzlichst, dein Elai.