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Eine Hommage an meine große Schwester

Eine Hommage an meine Schwester

Jetzt muss ich es einfach mal los werden. Hier im Blog dreht sich alles um mich und meine Krankheit. Aber der absolut wichtigste Mensch (Mama und Papa mal außen vor) in meinem Leben, ist meine große Schwester.

Wie alles anfing

Schon in Mamas Bauch, wollte ich nie Ruhe geben wenn ich meine Schwester gehört habe. Wenn sie da war, war immer was los. Wenn ich sie gehört habe, wollte ich am liebsten direkt mit ihr spielen. Wenn sie nachts wach geworden ist und Mama zu ihr gegangen ist, bin auch ich direkt wach geworden. Ich wollte auf keinen Fall etwas verpassen. Sie klang immer nach Spaß, Lebensfreude und Neugierde.RMDH Köln

Kontakt im Koma

Ihr wisst ja sicher alle, das ich gerade erst einmal drei Tage alt war, als ich an meiner Speiseröhre operiert wurde. Nach der OP durfte mein Körper für ein paar Tage gar nicht bzw. nur ganz minimal bewegt werden. Hätte man mich z.B. gedreht, dann hätte meine Narbe an der Speiseröhre wieder aufgehen können. Um das zu vermeiden wurde ich in eine Art künstliches Koma gelegt oder in einen künstlichen langen Schlaf. Zum Glück waren Mama und Papa mutig und haben meine große Schwester in dieser Zeit auch zu mir gelassen.  Mama und Papa hatten nämlich eigentlich große Angst, dass meine Schwester „verstört“ sein könnte, wenn sie mich so sehen würde  mit all den Schläuchen, Kabeln und dem ständigen Gepiepe.

Aber was soll ich sagen. Meine Schwester ist einfach die Beste. Sie hat sich an all dem gar nicht gestört und war einfach froh bei mir sein zu dürfen und ich war froh, dass sie bei mir war. Trotz des Komas habe ich sie nämlich immer wahrgenommen. Man konnte unter anderem an meiner Herzfrequenz sehen, dass ich auf sie reagiere und mein kleiner Körper hat immer gezuckt. Das sagen Mama und Papa zumindest. Es gibt wohl auch Beweisvideos. Für mich ist das ganz klar. Ich wollte doch mit ihr spielen. Aber dieses Schlafmittel hat mich einfach davon abgehalten. Jeden Tag war sie bei mir. Jeden Tag war sie für mich da. Was hätte ich ohne sie nur gemacht. Damals war sie gerade einmal drei Jahre alt.

Im Koma - Kinderkrankenhaus Köln

Zustand nach Ösophagusatresie

Die Zeit im Krankenhaus

Ich weiß noch genau, wie sie mich das erste Mal halten durfte. Das werde ich nie vergessen. Sie war so stolz. Für sie war es ein großartiger Moment. Aber für mich war es ein noch tollerer Moment. Endlich konnte ich ihr so nah sein, sie riechen und spüren. Alle denken, dass es nur für sie besonders war aber eigentlich war es für mich noch viel besser. Sehr lange war ich im Krankenhaus. Und sie war wirklich immer für mich da. War das Wetter draußen auch noch so schön, hat sie doch drinnen bei mir gesessen und mit mir gespielt. Sie hat meinen Krankenhausaufenthalt einfacher gemacht. Durch sie habe ich schon im Krankenhaus sehr viel gelernt.

Trinken trots Ösophagusatresie Kinderklinik Köln

Schneller GEsund werden durch Nähe zur Familie

Ich möchte so sein wie sie.

Meine große Schwester ist mein Vorbild. Sie ist groß, kann klettern und rennen, reden und essen, lachen und weinen. Sie ist mutig, tapfer und hat nie Angst. Ich möchte so sein wie sie. Ich gebe mir große Mühe so zu sein wie sie. Sie ist mein Ansporn. Ohne sie würde ich heute mit Sicherheit noch nicht laufen, geschweige denn essen. Sie hat die Geduld mich zu füttern egal wie lange ich brauche. Sie teilt immer ihr Essen und Trinken mit mir. Ich darf wirklich immer mit ihr spielen. Ich bin ja schon ein nerviger kleiner Bruder aber ich darf immer bei ihr sein. Mit ihr malen oder Türme bauen. Gut. Ich mache sie meistens kaputt aber nur weil ich noch nicht so gut bauen kann wie sie. Sie ist einfach perfekt. Wenn ich es schaffen kann so toll wie sie zu werden, dann bin ich schon zufrieden.

Geschwister auf Spieldecke

KRabbeln unter dem Tisch

Heimliche Heldin

Mama und Papa sagen, dass sie die heimliche Heldin in unserem Leben ist. Bedenkt man ihr Alter und die Situation in der wir leben, dann ist es doch erstaunlich, wie gut sie es meistert. Natürlich ist das alles nicht spurlos an ihr vorbei gegangen. Wäre ja auch komisch wenn. Aber sie meistert unsere Situation wie man es von einem Mädchen in ihrem Alter, ganz sicher nicht erwarten würde. So oft musste sie zurück stecken. So oft hat sie große Angst um mich gehabt. Das alles hat sie mit Sicherheit für ihr Leben geprägt. Aber ich bin mir ganz sicher: Wenn sie so weiter macht wie bisher, dann wird sie daran nur wachsen und keinen Schaden nehmen. Und wer weiß, ach Quatsch, ich bin mir sicher, sie wird Großes in ihrem Leben erreichen. Nicht ich allein bin der Kämpfer und Held sondern auch sie. Sie kämpft für mich mit!

Ich bin so stolz dein Bruder zu sein

Ich bin unendlich stolz ihr kleiner Bruder zu sein. Und ich bin so froh, dass sie  meine große Schwester ist. Sie ist mein Vorbild. Ich werde ihr für immer dankbar sein und sie lieben. Ohne sie, wäre ich heute nicht der, der ich bin.

Danke große Schwester, dass es dich gibt!

Ich liebe dich !!

 Dein nerviger kleiner Bruder 😉

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