Krankheit
Kommentare 6

Es kommt immer anders als man denkt

Leben ist...

Ich sitze bei Elai im Zimmer und schaue ihm beim schlafen zu. Sein Kinderzimmer ähnelt einer kleinen Intensivstation.

Ambubeutel hängen an seinem elektrisch höhenverstellbaren Bett, welches man auch in seiner vertikalen Ausrichtung kippen kann.
Das Licht der Stehlampe wird über einen Dimmer auf ein Minimum reduziert. Der Trachealsekretabsauger, von uns immer nur Absauger genannt, sein Inhaliergerät sowie der Pulsoximeter hängen am Strom. So dass von Ihnen auch eine kleiner Lichtschein ausgeht.

Eigentlich, ja eigentlich hätte Elai heute nicht hier sein sollen. Es war für ihn ein Platz in seiner „ersten Heimat“ reserviert, im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße.
Geplant war das wir in der Frühe aufbrechen um gegen sieben Uhr einchecken zu können.

Er stand heute an 6. Stelle auf dem OP Plan. Für eine Endoskopie. Eine sogenannte Routineuntersuchung. Aber wenn ich ehrlich sein darf, ist und wird es für mich wahrscheinlich nie eine Routineuntersuchung werden.

Wozu die Routineuntersuchung?

Ziel sollte es sein den aktuellen Heilungsprozess im Bereich der Larynxspalte und der Narbe an der Speiseröhre zu prüfen. Ebenso hätte bei Bedarf eine Bougierung (= Aufdehnen der Speiseröhre im Bereich der Narbe) der Speiseröhre stattfinden sollen.

Erstens kommt es anders

& zweitens als man denkt…
Als wir Elai heute Morgen, um kurz vor sechs Uhr von der Nachtschwester übernehmen wollten, berichtete sie uns, dass Elai über Nacht leichtes Fieber bekommen hatte.
Und in diesem Fall sind wir dann doch routiniert genug um zu wissen das eine Vollnarkose bei Fieber ausgeschlossen ist. Die beste Mutter aller Mütter hat dann, was sollte sie nun auch anders tun, die Kinderklinik angerufen und die Station über Elais aktuellen Zustand informiert: „Ja das wissen Sie ja Frau F. mit Fieber kommen die Kinder nicht in den OP.“

Und somit war es beschlossene Sache, heute bleiben wir daheim!

Gut geplant ist halb gewonnen, oder so…?!

Meine Frau hatte natürlich bereits gestern alles Wichtige für Elai eingepackt. Im Vorfeld den Termin mit dem Krankenhaus abgestimmt und eine Überweisung vom Kinderarzt eingeholt. Ich hatte mir extra zwei Tage Urlaub genommen um vor Ort sein zu können und Oma & Opa wurden um die Betreuung unserer Tochter gebeten. Und auch Opa hatte sich dazu extra einen Tag Urlaub genehmigt. (Unsere Tochter und er, sind ein Herz und eine Seele)

Alles ist gut! Oder doch nicht?

Von unseren Freunden und Bekannten hören wir öfters den Satz: „Seht doch nur wie gut es Elai heute geht, im Vergleich zu vor einem Jahr ist doch alles viel besser. Damit müsst ihr doch zufrieden sein“.

Ja stimmt, aber die Belastung die man mit einem besonderen Kind hat, ist eine andere als wenn das Kind gesund ist. Natürlich sind wir unheimlich froh darüber, wie Elai sich entgegen der ersten Befürchtungen der Kinderärzte entwickelt hat. Und doch gelingt es mir nicht immer mich an diesen positiven Entwicklungen zu erfreuen.

All zu oft passiert es mir, das ich mir die Frage nach dem ”Warum?” stelle. Warum darf Elai nicht ein gesundes Kind sein? Warum musste er bereits so vieles über sich ergehen lassen? Warum um alles in der Welt wird unsere Tochter vor diese Herausforderung gestellt? Und woher nimmt sie diese kindliche Leichtigkeit im Umgang mit ihrem Bruder?
Wenn Sie nicht so wäre, wie sie ist, dann möchte ich behaupten, dass Elai nicht der währe der er heute ist. Es ist ein so wunderschönes Gefühl zu sehen, wie fleißig unsere Tochter Gebärden lernt um sich mit ihrem Bruder in Zukunft unterhalten zu können. Und Elai lernt dann wiederum von ihr.

Trotz alldem was meine Frau und ich in letzter Zeit erlebt haben, sind wir immer noch ein Team. Ein Dreamteam. –Oder gerade deswegen?- Ich weis, dass ich mich immer auf sie verlassen kann und ich denke das sie weis das auch ich immer für Sie da bin.

Lange Rede kurzer Sinn…. Im Leben läuft meist nie etwas nach Plan. Deswegen plane nicht, sondern lebe!

Herzlichst, Elais Papa

6 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.