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Schwarze Tage – ein Lied das berührt

Schwarze Tage - Ronald Richter

Bist du musikalisch? Kannst du singen? Hast du den Rhythmus im Blut? Mein Papa jedenfalls kann weder das Eine noch hat er das Andere. Deswegen treibt er sich ab und an auf YouTube rum, um Andere für sich singen zu lassen.

Doch dieses Mal war der Weg zur Videoplattform gar nicht geplant gewesen. Sondern es stand etwas Anderes auf seinem Kulturplan für Heute. Papa war auf facebook und trieb sich in der Gruppe „Du weißt dass Du aus Oberberg kommst, wenn…“ rum. Und genau in dieser Gruppe hat jemand einen Link zu seinem neuesten musikalischen Werk mit dem spannenden Titel „Schwarze Tage“ geteilt. Als Einleitung hat er diesen Text geschrieben:

…Wenn Du Dir Deine Musik mit Gummersbacher Kids selber schnitzen musst…Zitat: Ronald Richter

Gummesbacher Kinder machen Musik?! Da konnte mein Papa nicht widerstehen, er musste sich das Lied anhören.

Der erste Eindruck von dem Video war überzeugend. Der glasklare Klang einer Mundharmonika zu Beginn, dazu die Bildsprache des professionell anmutenden Musikvideos. Dieses Lied konnte er nicht mehr abstellen. Das muss bis zum Ende angehört werden.

Aber am besten schaut ihr euch jetzt erst einmal das Video an, danach könnt ihr hier weiterlesen welche Emotionen der Liedtext von „Schwarze Tage“ in ihm ausgelöst hat.

Und da der Papa ein kommunikativer Mensch ist, gibt es sogar noch ein kurzes Interview, mit dem Gummersbacher Liedermacher Ronald Richter zu lesen, welcher für „Schwarze Tage“ verantwortlich ist 🙂



Dir gefällt das Lied? Dann kannst du es auf Amazon, inkl. einer Playbackversion, herunterladen.

>> Ebenso von Ronald Richter: Junge Du Bist Peinlich

Gefühle & Emotionen

Papa sagt: Beim ersten Hören des Liedes, habe ich den Text so verstanden, wie er auch gedacht war.
Dass der Stress, Ärger und Druck in der Schule gerne dafür sorgt das manch ein Kind sich alleine und hilflos fühlt.

Beim 3. Mal hören dann allerdings habe ich angefangen den Text anders zu interpretieren. Mehr aus meiner Sichtweise, der eines Erwachsenen.

Es kamen die Erinnerungen an die erste Zeit nach Elais Geburt in mir hoch. Die ständige Ungewissheit, während wir mal wieder vor den Türen des OPs saßen. Die Angst sein Kind nicht mehr wiederzusehen wie man es sich wünscht und erhofft. Die Sorge das irgendwann der Punkt erreicht ist wo Elai nicht mehr kämpfen mag. Wo er einfach nur noch seine Ruhe haben möchte.

Das Lied hat so viele Gefühle aus dieser Zeit hochgeholt dass ich, nun ja wie soll ich sagen, vielleicht etwas, sentimental geworden sein könnte 🙂

Im weiteren Verlauf des Liedes gehen die Schwarzen Tage vorbei.
Es wird wieder hell und die Sonne wird strahlen…
Dieser Abschnitt spiegelt mein Empfinden von Jetzt, Hier & Heute wieder.

Elai hat uns immer wieder gezeigt, das er zu kämpfen bereit ist. Er ist ein Stehaufmännchen schon immer gewesen. Die vergangene OP oder die letzte Endoskopie. Er war so tapfer.

Und heute, er fängt an selbst zu essen, er bekommt immer weniger durch die Magensonde direkt in den Bauch.

Er hat das Laufen gelernt und fährt gerne mit seinem Rutscheauto. Man kann mittlerweile fast so ein Gefühl wie „Normalität“ empfinden.

Die Besuche im Krankenhaus werden seltener und unser Kinderarzt ist auch zufrieden mit ihm. Und wenn wir nun bald die Gebärdensprache erlernen, können wir uns noch besser verstehen.

die Sonne wird Strahlen!

Ich habe meine Tochter gefragt wie ihr das Lied gefällt, sie antwortete mir folgendes:

es gefällt mir gut, es sagt, das dass Leben schön istSchwesterherz

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Interview mit Ronald Richter

1. Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe immer schon Musik gemacht; als Jugendlicher in Bands, später allein und jetzt mit Jedem der sich nicht wehrt

2. Du schreibst nicht nur die Texte für deine Lieder selbst, sondern komponierst auch die Melodien. Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zum fertigen Stück?

Eine halbe Stunde, oder Tage… wie man es sehen will. Ich brauche nur eine Initialzündung, also einen Kick. Dann schnappe ich mir eine Gitarre und nach 20-30 Minuten steht der Song. Dann folgen allerdings ein paar Tage Arbeit am Computer um das Ganze zu instrumentieren und zu arrangieren. Dann folgen Wochen des Übens mit den Kids. Hier habe ich eine super Unterstützung durch meine Freundin Ramona, die bei jedem Lied dabei war und mich wahnsinnig unterstützt. Bei „Schwarze Tage“ auch durch meine jugendliche Nachbarin Stella und die Mutter von Lou, Sandrine, die die Kids, die teilweise noch nie gesungen haben, gecoacht hat.

3. Wann hast du die besten Gedanken für einen Liedtext? Zufällig oder setzt du dich so lange hin bis du das passende hast?

Wenn mir ein Titel oder eine Zeile einfällt. Das kann das auf vielerlei Art geschehen. Ich könnte mich niemals hinsetzen und ein Lied konstruieren. Das ist wieder die Sache mit der Initialzündung.  Wenn so ein Kick da ist, wenn ich etwas sehe, was mich anrührt oder wenn ich über etwas nachdenke dann kann daraus einfach ein Lied entstehen. Es passiert einfach so… Nehmen wir als Beispiel „Junge Du Bist Peinlich“. Eine meiner Sängerinnen (Jule) sagte „Schreib mal ein Lied über Jungens“ ich dachte daran, wie ich als Kind war und wie ich mich gegenüber Mädchen gebärdete…. Schon mal 3 Jungs und 7 Mädchen auf einem Kindergeburtstag erlebt?  Der  stumme Star des Videos *Joel* ist genau so ein Typ wie ich als Kind. Nach aussen megacool  aber ein sensibler Kerl mit Tiefgang. Als ich ihm sagte: „Joel, du weisst, Du machst da den Looser, den Donald Duck“ antwortete er: „Kein Problem, alle lieben Donald“… cool oder?

Das nächste Lied was ich machen werde habe ich auf einer Autofahrt nach Berlin in’s Handy gesungen, als ich an einen vergessenen Jugendfreund dachte. Du siehst: kein Schema…

4. Was hat dich bewogen Musik für Kinder zu schreiben?

Es gibt Musik für Eltern, die sind ja die potentiellen Käufer. Und die Kindermusik bedient die Wunschvorstellungen der Eltern, wie Kinder sein sollten. Sie sollen niedlich und lieb sein oder – wie in den 70ern, Westentaschenrevolluzzer. Für Kids zwischen 8 und 12 gibt es wenig Musik. Die sind noch zu jung für Pop, der sich ja zu 95 % mit Liebe beschäftigt und zu alt für „Kinderlieder“.

Ich dachte, die Kids in dem Alter haben ein paar eigene Songs verdient, die sie verstehen und in denen sie sich wiederfinden. Und es sind „eigene Songs“ „Meine alte Schule“ entstand, indem ich die Kids bat mir auf Zettel zu schreiben, woran sie sich erinnern werden wenn sie an ihre Grundschulzeit denken. Sie schrieben mir die Dinge, die ihnen wichtig waren. Und es sind genau die Dinge, an die ich mich erinnere, wenn ich an meine Grundschulzeit denke. Wenn die Kids sich mit den Songs nicht identifizieren könnten, dann wären sie im Video nicht so überzeugend….

5. Dein neuestes Werk „Schwarze Tage“ lässt Raum für eigene Interpretationen. Ich habe es auf das erste Jahr mit Elai, mit unseren Ängsten und Sorgen die wir hatten, bezogen. Und das es jetzt alles etwas angenehmer und entspannter wird (die Sonne wird strahlen und es wird wieder hell)
Was war dein Beweggrund das Lied zu schreiben?

Werk? Oh bitte, es ist nur ein Lied…
Wenn Kinder schlechte Momente, Misserfolge, Krisen oder sonst etwas erleben, was sie ‚runterzieht, erleben sie ihren Kummer sehr kurz, aber viel intensiver als Erwachsene. Sie haben noch keine „Hornhaut auf der Seele“. Wenn ein Kind einen „schwarzen Tag“ erlebt, glaubt es im tiefsten Moment des Verlorenseins, das Leben würde so immer weitergehen wie in diesem traurigen Moment. Erst mit der fortschreitenden Lebenserfahrung lernen wir einen routinierteren Umgang mit Misserfolgen und Trauer; wir haben als Erwachsene immer im Hinterkopf, dass es auch wieder helle Tage geben wird. Über unserer Trauer leuchtet immer das Schild „Notausgang“ bei Kindern nicht.

Die meisten Kinder erfahren in den Momenten des Verlassenseins Trost und Unterstützung durch ihre Eltern. Aber für die, die diese Unterstützung nicht bekommen oder die den elterlichen Trost in einem Moment der Traurigkeit nicht annehmen wollen, für die ist das Lied.

Ich habe aber festgestellt, dass das Lied auch bei Erwachsenen an Sch****tagen durchaus geeignet ist zur Stimmungsaufhellung beizutragen….

6. Die Kinder, die im Musikvideo zu sehen sind, waren auch schon beim dem Lied Junge Du Bist Peinlich dabei. Seid ihr eine feste „Band“ oder würdet ihr euch über weitere Musikalische Unterstützung freuen?

Mit 5 Kindern zu arbeiten ist anstrengend genug. Schon mal versucht, 5 Kids an 5 Wochenenden zusammenzutrommeln? Die haben Terminkalender wie ein Manager der deutschen Bank. Heißt: Mehr Kinder, mehr Koordinationsschwierigkeiten.

7. Wo siehst du dich und deine Musik in 5 Jahren?

Also die Frage hast Du aus Deinem letzten Bewerbungsgespräch.

Ich habe keine Ambitionen außer, das Kids Freude an den Liedern haben und sie – vielleicht – mitsingen. Ich kann damit kein Geld verdienen. Und wenn, würde ich damit das nächste Projekt finanzieren.

Der Musikkonsum ist heute anders als früher, es wird keine Musik mehr gekauft, die Kids konsumieren Musik auf Plattformen wie YouTube. Sie wollen auch die Musik heute audiovisuell. Das muss man akzeptieren und der Musikmarkt wird sich auch umkrempeln.

Man darf das aber nicht zu negativ sehen: Viele Produktionen werden auch nur durch solche Plattformen möglich; da gibt es tolle Nachwuchskünstler die für schmale Budgets ihre Sachen unter das Volk bringen können. Das fördert auch die Kreativität gerade junger Leute. Sie werden nur keine reichen Superstars mehr…

Lieber Ronald, vielen Dank für deine Zeit für das Interview.

Wir wünschen dir noch jede Menge gute Ideen für die nächsten Kinderlieder. Wir haben deinen YouTube Channel schon mal abonniert.

Liebe Leserin, lieber Leser, mich würde es sehr interessieren wie dir das Lied gefällt. Hast du bereits ähnliche Erfahrungen gemacht mit Liedern, welche dein Herz berühren? Schreib mir deine Antworten in die Kommentare.

Herzlichst, dein Elai mit Papa

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